Schicksal der Juden von Bad Driburg
Schicksal der Juden von Bad Driburg - Beschreibung
Haus Schiff
Die Gedenkstele vor dem Haus Lange Straße 68 erinnert an den ehemaligen Standort des Wohn- und Geschäftshauses der jüdischen Familie Schiff. Von allen jüdischen Familien wohnte Familie Schiff wohl am längsten in Bad Driburg. Moses Schiff wurde am 27.07.1864 in Bad Driburg geboren.
Er war in der Stadt ein bekannter Kaufmann, der mit Fellen, Häuten und Altmaterial handelte. Seine drei Jahre jüngere Frau Philippine führte in dem Haus eine kleine Pension und ein Geschäft, in dem sie Hüte, Putz- und Modewaren verkaufte.
In der Pogromnacht 1938 wurden die Fenster
der Pension Schiff eingeworfen, Moses Schiff wurde zusammen mit
weiteren jüdischen Männern für einige Zeit festgenommen. Ab 1941
wurden alle in Bad Driburg lebenden Juden im Haus der Familie
Schiff zwangseinquartiert. In einem solchen »Judenhaus« lebten die
Menschen unter katastrophalen Wohnverhältnissen auf engstem Raum
zusammen und wurden von der Gestapo überwacht. Durch die
»Judenhäuser« sollte Wohnraum für den »arischen« Teil der
Bevölkerung geschaffen werden. Gleichzeitig erleichterten sie die
Organisation der Massenvernichtung der Juden im
Nationalsozialismus.
Das Haus der Familie Schiff wurde Ausgangspunkt der Deportationen. In der Region um Bad Driburg wurden die Juden über den Bahnhof Bielefeld in Zügen Richtung Osten gebracht. Ihr letztes Hab und Gut wurde ihnen noch am Bahnhof abgenommen.
Deportation
Die Familie Schiff wurde am 30.03.1942 auseinandergerissen, als
die Töchter Paula und Hertha nach Warschau deportiert
wurden.
Nur wenige Monate später, am 28.07.1942, mussten auch Moses und
Philippine Bad Driburg verlassen. Sie wurden in das sogenannte
»Altenghetto« des Konzentrationslagers Theresienstadt im heutigen
Tschechien gebracht. Keiner der vier hat die Konzentrationslager
überlebt. Einzig der Sohn Rudolf konnte vor Ausbruch des zweiten
Weltkriegs in die USA auswandern und seine Eltern von dort aus bis
zu ihrer Deportation unterstützen.
Tochter Erna heiratete 1933 den katholischen Glashändler August Böger. Die »Mischehe« bewahrte sie zunächst vor der Deportation. Erst im Jahr 1944 kam sie doch in das berüchtigte Frauen-Lager Elben bei Kassel. Ihrem Mann gelang es, sie mit einem ärztlichen Attest aus dem Lager zu befreien, nachdem sie zuvor sehr schwer erkrankt war. Bei Eis und Schnee brachte er sie mit einem Schlitten zurück in das 80 Kilometer entfernte Bad Driburg. Bis zum Kriegsende wurde sie von Nachbarn im Keller versteckt.
Das Haus der Familie Schiff wurde im Jahr 1995 abgerissen. Im Jahr 2008 wurde auf Initiative des gemeinnützigen Vereins »Bürgerpunkt« die Sandsteinstele errichtet.